Carraro Group

Wie ModelSearch neuen Antrieb für Engineering-Daten schafft
„Wiederfinden vor Neuerfinden“ – Was zunächst wie eine simple Regel klingt, ist bei der Carraro Group ein gelebtes Prinzip, das das Engineering von Grund auf prägt. Als Entwickler von Antriebs- und Getriebesystemen aus der italienischen Provinz Padua verfügt Carraro über jahrzehntelang gewachsenes Konstruktionswissen in Form von tausenden CAD-Modellen und Varianten. Doch seinen vollen Wert entfaltet dieses Wissen erst, wenn es im richtigen Moment auffindbar ist. Mit ModelSearch werden Konstrukteure beim Neuanlegen automatisch auf bereits existierende oder ähnliche CAD-Modelle hingewiesen – nahtlos integriert in Creo und Windchill, ohne Medienbruch. So werden bereits vorhandene Konstruktionen sichtbar, bevor neue Modelle entstehen. Das Ergebnis: weniger Aufwand, weniger Doppelarbeit und mehr Wertschöpfung aus Engineering-Daten. Damit bringt ModelSearch Carraros Konstruktionswissen in Bewegung und liefert neuen Antrieb für das Engineering.
Situation und Aufgabe
Vor rund zehn Jahren haben wir eine Software zur Modellsuche eingeführt, weil wir mehr Transparenz und Effizienz im Umgang mit bestehenden Teilen erreichen wollten. Ziel war es, Kosten zu senken, Ähnlichkeiten zu erkennen und die Standardisierung unserer Teile zu erhöhen“, sagt Cristiano Grassi, IT Manager Applications & Industry 4.0 bei Carraro. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten Engineering, Einkauf und Produktionsplanung mit einer stetig wachsenden Menge an Teilen und Daten, verteilt über verschiedene Projekte, Systeme und Standorte in Italien, Luxemburg, Indien, China und den USA. Bei einem global tätigen Unternehmen mit fast 4.000 Mitarbeitenden ist es kaum möglich, den Überblick über alle vorhandenen Komponenten, Beschaffungsvorgänge und Prozesserfahrungen zentral zu behalten – ohne die richtigen Werkzeuge. So entstand mitunter Entwicklungsaufwand für Komponenten, die an anderer Stelle bereits existierten. Ähnliche Beschaffungsvorgänge ließen sich nur schwer auffinden, und bewährtes Prozesswissen aus der Produktion konnte nicht immer systematisch genutzt werden
In der Folge blieb wertvolles Wiederverwendungspotenzial häufig ungenutzt. Gleichzeitig stiegen die Teilevielfalt und damit auch vermeidbare Kosten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Genau hier setzte Carraro an: Vorhandenes Wissen sollte nicht länger im Datenbestand stehen bleiben, sondern für Entwicklung, Einkauf und Produktion nutzbar werden.
Seitdem war die Modellsuchsoftware ein fester Bestandteil der Prozesse bei Carraro. „Damals war das ein großer Schritt nach vorn für uns und hat uns dabei geholfen, deutlich mehr Struktur in unsere Daten zu bringen“, erinnert sich Grassi. Allerdings war die Lösung nicht direkt in die Creo- und Windchill-Umgebung integriert. Ingenieurinnen und Ingenieure mussten ihre gewohnte Arbeitsumgebung verlassen, um Suchanfragen in einer separaten Anwendung auszuführen. Dieser zusätzliche Schritt verlangsamte den Prozess und führte im Arbeitsalltag zu Reibungsverlusten. Mit der Zeit wurden die Datenmengen größer und die Anforderungen an die Suche höher. Dabei zeigte sich immer deutlicher: Das bestehende System konnte schlichtweg nicht mithalten. Suchanfragen dauerten zu lange, und passende Teile zu finden, blieb aufwendig. So wurde weiterhin Wiederverwendungspotenzial ausgebremst, obwohl Carraro mehr aus den vorhandenen Daten herausholen wollte. Mit der Zeit wurden die Datenmengen größer und die Anforderungen an die Suche höher. Dabei zeigte sich immer deutlicher: Das bestehende System konnte schlichtweg nicht mithalten. Suchanfragen dauerten zu lange, gestalteten sich zu aufwendig und wertvolle Konstruktionsarbeit wurde doppelt gemacht. Gemeinsam mit dem langjährigen Technologiepartner ITTLab beschloss das Team deshalb, den nächsten Schritt zu gehen: „Wir wussten genau, dass noch mehr Potenzial im Bereich der Wiederverwendung vorhanden war. Wir brauchten nur die richtige Technologie, um es nutzbar zu machen“, erzählt Grassi. Gemeinsam prüften beide Unternehmen, welche Lösung am besten zu den Anforderungen von Carraro passt. Die Wahl fiel schließlich auf ModelSearch von MAIT. Der entscheidende Vorteil: Die Lösung fügt sich nahtlos in Creo und Windchill ein und wird so zum hilfreichen Assistenten im Konstruktionsprozess. Von Beginn an sucht ModelSearch automatisch im Hintergrund nach gleichen oder ähnlichen Bauteilen und schlägt passende Treffer direkt vor. Kein Systemwechsel, kein Unterbrechen des Workflows. „Wir haben nach einer Lösung gesucht, die zur tatsächlichen Arbeitsweise unseres Konstruktionsteams passt. Mit ModelSearch sind die Ergebnisse genau dann verfügbar, wenn sie gebraucht werden“, sagt Mattia Scudellaro, PLM Application Manager bei Carraro. „Die Lösung ist vollständig in unsere CAD-Umgebung eingebettet“ ergänzt Cristiano Grassi. „Eine Live-Suchfunktion analysiert alle bereits vorhandenen Modelle kontinuierlich im Hintergrund und liefert innerhalb weniger Sekunden erste ähnliche Teile oder potenzielle Dubletten. Das schafft einen sofortigen Mehrwert.“
Lösung und Herangehensweise
ModelSearch analysiert CAD-Modelle anhand ihrer Geometrie, Eigenschaften und technischen Merkmale. Insgesamt 95 Parameter stehen für diesen Gegencheck unter permanenter Beobachtung. Die Basis dafür bilden sogenannte digitale Fußabdrücke, die die Modelle im System vergleichbar machen. ModelSearch erstellt sie automatisch für jedes Teil und jede Baugruppe. So erkennt die Software automatisch ähnliche Bauteile und mögliche Dubletten, unmittelbar während des Konstruktionsprozesses. Also genau im richtigen Moment, um Wiederverwendung zur echten Option zu machen. Bei Carraro wurden dafür rund 200.000 bestehende Modelle verarbeitet und in ModelSearch integriert. Nach nur sechs Monaten ist die Lösung bereits fester Bestandteil des Arbeitsalltags bei Carraro geworden. „Heute stehen uns sämtliche Daten zur Verfügung, die wir benötigen, um effizient mit ModelSearch zu arbeiten“, bestätigt Grassi. „Mit der vorherigen Software hat der Aufbau einer Datenbasis Jahre gedauert und wurde dennoch nie vollständig erreicht.“ Ist diese Basis einmal geschaffen, baut das System die digitalen Fußabdrücke kontinuierlich im Hintergrund weiter auf und aktualisiert sie automatisch. Jedes neue Modell wird selbstständig erfasst. So bleibt die Datenbank stets aktuell und neue Konstruktionen können unmittelbar identifiziert und wiederverwendet werden. Aus einer reinen Suche wird damit ein echter Beschleuniger für den Engineering-Alltag: Vorhandenes Wissen ist nicht nur gespeichert, sondern kommt genau dann in Bewegung, wenn es gebraucht wird.
Carraro denkt den Einsatz von ModelSearch bewusst über das Engineering hinaus. Durch die Integration in Windchill wird die Modellsuche auch für Bereiche nutzbar, die nicht täglich mit CAD-Daten arbeiten. „Die einzelnen Fachbereiche können nun selbst ähnliche Teile identifizieren und deutlich einfacher auf relevante Informationen zugreifen“, betont Grassi. Das schafft spürbare Vorteile im Alltag. Im Einkauf lassen sich beispielsweise vergleichbare Teile direkt in Windchill prüfen, inklusive Informationen zu früheren Lieferanten. In der Zollabwicklung hilft ModelSearch dabei, passende Klassifizierungscodes über den Abgleich mit ähnlichen Produkten zuzuordnen. „Früher mussten die Kolleginnen und Kollegen unzählige Zeichnungen durchsuchen, um etwas Vergleichbares zu finden. Heute kommen wir deutlich schneller ans Ziel“, fasst Grassi zusammen. So entsteht ein stärker vernetzter Informationsfluss über Abteilungsgrenzen hinweg. Vorhandenes Wissen wird leichter auffindbar, schneller nutzbar und bringt unterschiedliche Bereiche bei Carraro auf eine gemeinsame Spur.
Ergebnis und Nutzen
Seit ModelSearch im Arbeitsalltag eingesetzt wird, fällt das Feedback der Anwenderinnen und Anwender durchweg positiv aus. Ein wichtiger Grund dafür ist das gestiegene Vertrauen in die Suchergebnisse. „Wenn die Nutzenden das Gefühl haben, dass die Datenbank nicht vollständig ist, verlassen sie sich seltener darauf. Mit ModelSearch hat sich diese Wahrnehmung verändert“, sagt Grassi. Heute kann das Konstruktionsteam darauf vertrauen, relevante Ergebnisse schnell zu finden, auch ohne jahrelange Erfahrung oder tiefes Wissen über den bestehenden Teilekatalog. Besonders deutlich wird das im täglichen Geschäft: „Erst letzte Woche habe ich mitbekommen, wie ein Kollege nach einem bestimmten Teil gesucht hat. Mit ModelSearch hat dies vielleicht zwei Minuten gedauert. Ohne die Lösung hätte er Stunden damit verbracht oder ein neues Teil erstellt, ohne zu wissen, dass es bereits existiert“, ergänzt Scudellaro. So verändert sich Schritt für Schritt die Arbeitsweise bei Carraro. Statt direkt neu zu konstruieren, wird zuerst geprüft, ob passende Teile bereits vorhanden sind. Aus „Create first“ wird „Search first“. Und aus Stillstand wird in wenigen Minuten eine belastbare Lösung.
Etwas mehr als sechs Monate nach der Implementierung von ModelSearch ist der Effekt im gesamten Unternehmen deutlich spür- und messbar. Was als Initiative zur Verbesserung der Suche begann, hat sich zu einer neuen Arbeitsweise entwickelt. „Der Wechsel zu ModelSearch hat sich absolut gelohnt. Wir sparen nicht nur Zeit und Kosten, sondern erschließen endlich das volle Potenzial unserer bestehenden Daten“, sagt Cristiano Grassi. „Search before create ist nicht mehr nur eine Idee, sondern fester Bestandteil unserer täglichen Arbeitsweise“, fasst er zusammen. Bei Carraro zeigt sich damit, was „Wiederfinden vor Neuerfinden“ im Alltag bedeutet: Engineering-Daten bleiben nicht im Archiv stehen, sondern nehmen Fahrt auf und schaffen Wert über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.
vorhandener Bauteile direkt im Konstruktionsprozess– weniger Aufwand und Doppelentwicklungen.
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über ähnliche Bauteile und Lieferanten – für effizientere Entscheidungen und Kosteneinsparungen.
(z. B. Controlling, Zollabwicklung) für verbesserten Datenzugang schnellere Prozesse und maximale Nutzung vorhandener Konstruktionsdaten.